Christina B. 07. Aug. 2011


Ausziehen! You can leave your hat on – aber nicht die Straßenschuhe

Der Gast soll sich wohl fühlen, stimmt`s? Klar. Ist es daher „politisch korrekt“, ihn darum zu bitten, seine Schuhe vor der Tür auszuziehen? Schließlich sind Highheel-Absätze ein wahrer Parkett-Killer und die Boots vom besten Kumpel mit dem tiefen Profil (in dem sich alles mögliche ansammelt und nur darauf wartet, in der Wohnung losgelassen zu werden)  geradezu Gift für den Schurwollteppich, den man ohnehin gerade für teuer Geld hat reinigen lassen. Und gilt nicht auch der Spruch „my home is my castle and I am the king“?  Und wer in dieses Schloss will, der darf das nur barfuß. Oder nicht?

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Du kommst hier nicht rein – oder zumindest nicht mit deinen Schuhen

Draußen ist es dreckig, das ist die „böse“ Welt, die Welt mit dem Matsch, dem Staub, den Hinterlassenschaften von Hunden,  Kaugummis auf dem Boden und noch weit Schlimmerem. Schuhe müssen also leider vor der Tür bleiben. Leider? Von wegen. Nicht leider, denn diese Aufforderung hat einen sehr guten Grund – draußen ist eben nicht drinnen. In der Wohnung, dem sicheren Ort, frei vom Straßendreck, herrscht ein schurwollteppich-freundliches Klima. Ja, ein Bodenklima, bei dem es kein Problem ist, nachts strümpfrig oder barfuß vom Bad über den Parkett- oder Laminatboden ins Schlafzimmer zu laufen, ohne Angst haben zu müssen, in Gott weiß was zu treten, und das dann mit unter die Bettdecke zu nehmen. Hardcore-Schuträger sagen nun vielleicht, man solle sich nicht so haben, es wäre doch im Rahmen des Zumutbaren, nach dem Besuch einfach kurz zu saugen oder zu wischen, womit der Dreck von den Schuhen ja beseitigt wäre. Ah ja. Ah ja? Wenn es denn so leicht wäre. Aber wer schrubbt denn von Hand mit Teppichreiniger und Bürste die Lehmüberreste aus dem je eben aus der Reinigung kommenden Schurwollteppich? Wer kriecht auf allen Vieren mit dem Reparaturwachs über den Parkett, um Macken und Dellen, durch die sich die Highheels verewigt haben, auszubessern? Tja, mit ein bisschen Staubsaugen und Wischen ist es in diesem Fall nicht getan. Diese Denkweise ist spießig? Bitte, dann outet man sich eben als Spießer. Auch in Ordnung. Lieber erträgt man doch den Spott der Gäste und Mitmenschen statt mit endloser Coolness das „Eindrecken“ der Wohnung mitanzusehen. Hier geht es nämlich um sehr viel größere Werte als Coolness. Es geht um den Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden. Und das sollten doch auch Gäste respektieren, richtig?

Stylisches no-go: Schuhe draußen? Wie sieht das denn aus!

Da steht man den halben Abend vorm Spiegel und kombiniert hin und her. Welches Oberteil zu welchem Rock, passt das Hemd zur Hose UND: wie sieht das ganze Ensemble in Verbindung mit den Schuhen aus? Nur wenn das Gesamtkunstwerk am Ende stimmt, geht’s vor die Tür. Dumm nur, wenn dieses „Gesamtkunstwerk“ vor der nächsten Haustür, der der Gastgeber, schon wieder seinem Ende entgegengeht. Hier stehen sie, die von den ach so umsichtigen Hausherren freundlich zur Verfügung gestellten Hausschuhe. Denn es gilt: Schuhe bitte draußen ausziehen. Sie denken, Sie hören nicht richtig? Doch, doch, tun Sie wohl. Diese Regel wird auch, wenn nötig, mit deutlichem Nachdruck durchgesetzt. Dass das scharfe Cocktailkleid erst mit den mörderischen Stilettos richtig zur Geltung kommt und auch die Armani-Jeans mit den grauen Tennissocken weit weniger stylisch ist als mit den Kroko-Tretern, interessiert die Gastgeber nicht. Nein, egal wie edel und outfitentscheidend die „Beschuhung“ auch ist, alles muss vor der Tür runter. In der Wohnung dann überall das gleiche Bild: Beschämte Füße in Hello-Kitty-Socken oder Plüschpuschen versuchen, sich unter dem geheiligten Schurwollteppich zu verkriechen. Die Partylaune scheint zusammen mit den Schuhen vor der Türschwelle Halt gemacht zu haben. Von Ausgelassenheit keine Spur.

Ein Kompromiss muss her

Ob nun an der Diskussion „Schuhe runter oder nicht“ schon Freundschaften zerbrochen sind, ist nicht belegt. Doch für Diskussionsstoff hat das Thema mit Sicherheit schon an so mancher Haustür gesorgt. Die Lösung? Nun, wenn beide Seiten sich nicht einigen können, liegt das Ausweichen auf andere Locations doch auf der Hand. Glücklicherweise gibt es doch auch fast überall genügend Lokale, Bars, Cafés und andere Gelegenheiten, sich zu treffen, ohne dabei in das Allerheiligste des anderen, in seinen Privatbereich, einzudringen und sich den dort geltenden Regeln zu unterwerfen. In öffentlichen Bereichen sind diese unerheblich.
Aber Vorsicht – vergessen Sie das strenge Rauchverbot nicht!

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